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Für Amazon-Händler

Amazon-Titel: 75 Zeichen seit dem 27. Juli 2026 — und das neue Feld Item Highlights

Seit dem 27. Juli 2026 sind Amazon-Produkttitel in allen Nicht-Medien-Kategorien auf 75 Zeichen inklusive Leerzeichen begrenzt. Was die Regel genau sagt, warum nicht-konforme Titel von Amazons eigener KI umgeschrieben werden — und wie Sie einen 200-Zeichen-Titel kürzen, ohne den Klick zu verlieren.

Sebastian Fackelmann·22. August 2026

Kurz gesagt: Amazon hat Produkttitel zum 27. Juli 2026 in allen Nicht-Medien-Kategorien auf 75 Zeichen inklusive Leerzeichen begrenzt — angekündigt im Seller Central, berichtet im Juni 2026. Titel, die darüber liegen, werden schrittweise von Amazons eigener KI umgeschrieben; markenregistrierte Händler bekommen für die vorgeschlagene Neufassung ein Prüffenster von 14 Tagen. Dazu kommt ein neues Feld: „Item Highlights“ mit 125 suchbaren Zeichen, das unter dem Titel erscheint.

Wer bisher 200 Zeichen ausgereizt hat, muss deshalb nicht kürzen, sondern neu entscheiden, was ein Titel überhaupt leisten soll. Dieser Leitfaden nennt die Regeln mit Datum, beschreibt das Risiko des Nichtstuns und zeigt eine Reihenfolge, mit der ein langer Titel verlustarm auf 75 Zeichen kommt. Stand: August 2026.

Die Regel, mit Datum

  • Gültig seit dem 27. Juli 2026: maximal 75 Zeichen inklusive Leerzeichen im Produkttitel.
  • Betroffen sind alle Kategorien außer den Medienkategorien — diese bleiben ausgenommen.
  • Ausgenommen sind außerdem die Marktplätze Saudi-Arabien, Ägypten, Türkei und Vereinigte Arabische Emirate.
  • Grundlage ist eine Ankündigung im Amazon Seller Central, über die im Juni 2026 berichtet wurde.
  • Zum Vergleich: Die frühere Vorgabe erlaubte bis zu 200 Zeichen, die Empfehlungen lagen allerdings schon davor bei rund 80. Neu ist also weniger die kurze Länge als ihre Verbindlichkeit.

Weil die Ausnahmeliste nur vier Marktplätze nennt, sind die europäischen Marktplätze von der Grenze erfasst. Ob Ihre Kategorie tatsächlich als Medienkategorie zählt, prüfen Sie besser einmal im Seller Central an einem eigenen ASIN nach: An dieser Abgrenzung hängt, ob Sie überhaupt handeln müssen.

Was passiert, wenn Sie nichts tun

Der 27. Juli 2026 war kein Stichtag, an dem zu lange Titel schlagartig abgeschnitten wurden. Amazon geht schrittweise vor: Nicht-konforme Titel werden nach und nach durch Amazons eigene KI neu geschrieben. Markenregistrierten Händlern ist ein Prüffenster von 14 Tagen vorgeschaltet, in dem sich der Vorschlag ansehen und ersetzen lässt.

Das ist kulanter, als es hätte sein können — und trotzdem die schlechtere Variante. Aus drei Gründen:

  • Markenstimme: Ein Modell, das kürzt, arbeitet mit dem, was im Titel steht. Es kennt Ihre Positionierung nicht und weiß nicht, welches von fünf Merkmalen Ihre Käufer tatsächlich unterscheiden.
  • Keywords: Ein Begriff, der aus dem Titel fällt, ist damit nicht automatisch verloren — aber er ist auch nicht automatisch woanders untergebracht. Wer selbst kürzt, verschiebt ihn bewusst in Item Highlights oder in die Backend-Keywords.
  • Aufmerksamkeit: 14 Tage sind eine Frist, keine Erinnerung. Wenn die Vorschläge über einen großen Katalog verteilt eintreffen, wird sie in der Praxis kaum jemand einzeln prüfen.

Das Prüffenster ist an die Markenregistrierung geknüpft. Ob und wie Händler ohne Brand Registry vorab informiert werden, geht aus der Ankündigung nicht hervor — planen Sie im Zweifel ohne Prüffenster.

Von 200 auf 75 Zeichen: die Reihenfolge, in der Sie kürzen

Der übliche Fehler beim Kürzen ist gleichmäßiges Streichen: überall ein Wort weniger, bis die Zahl passt. Am Ende steht ein Titel, der nichts mehr klar sagt. Besser ist eine feste Rangfolge — was den Klick entscheidet, bleibt; alles andere wandert in ein anderes Feld, nicht in den Papierkorb.

  • 1. Die Marke. Sie steht vorn und bleibt stehen — sie ist die einzige Angabe, die niemand sonst für Sie machen kann.
  • 2. Der Produkttyp. Das Substantiv, nach dem tatsächlich gesucht wird, in der Sprache des Marktplatzes und nicht im internen Sortimentsjargon.
  • 3. Ein bis zwei Merkmale, die den Klick entscheiden. Größe, Menge, Material oder Kompatibilität — je nachdem, woran die Kaufentscheidung in Ihrer Kategorie wirklich hängt.
  • 4. Alles Übrige. Zweitmerkmale, Anwendungsfälle, Synonyme und Schreibvarianten: raus aus dem Titel, hinein in Item Highlights oder in das Backend-Keyword-Feld.

Ein Beispiel mit erfundener Marke. Vorher, 183 Zeichen im alten Format: „Beispielmarke Bratpfanne 28 cm Edelstahl induktionsgeeignet antihaftbeschichtet ofenfest spülmaschinenfest Profi-Pfanne für Induktion Gas Elektro Ceran PFAS-frei mit abnehmbarem Griff“. Nachher, 71 Zeichen: „Beispielmarke Edelstahl-Bratpfanne 28 cm, induktionsgeeignet, PFAS-frei“.

Verloren geht dabei nichts, was der Titel leisten musste: Marke, Produkttyp, Größe, Material und die zwei Merkmale, an denen die Kaufentscheidung in dieser Kategorie hängt, stehen weiterhin drin. Ofenfest, spülmaschinenfest, der abnehmbare Griff und die Herdarten sind wichtig — nur nicht wichtig genug für den einen Satz, den ein Käufer im Suchergebnis liest. Sie gehören eine Zeile tiefer.

Zwei Prüfungen zum Schluss: Lesen Sie den neuen Titel laut — klingt er wie ein Satz, den ein Mensch sagen würde, wird er auch von der semantischen Suchschicht besser verstanden. Und sehen Sie ihn auf dem Telefon an, nicht in der Desktop-Vorschau: Auf kleinen Displays kann auch von 75 Zeichen noch etwas wegfallen.

Item Highlights: 125 suchbare Zeichen, kein Resteregal

„Item Highlights“ ist das Feld, das Amazon zusammen mit der Titelgrenze eingeführt hat: 125 Zeichen, suchbar, angezeigt unterhalb des Titels — in den Suchergebnissen ebenso wie auf der Produktseite. Es fängt einen Teil dessen auf, was aus dem Titel herausfällt.

Weil das Feld suchbar ist, wirkt es zweifach: Es wird gelesen und es wird indexiert. Genau deshalb ist es der falsche Ort für eine Keyword-Kette. Was ein Mensch dort überspringt, hilft Ihnen auch in der Suche wenig — und die 125 Zeichen sind schnell voll.

  • Der Anwendungsfall in Worten: wofür, für wen, in welcher Situation.
  • Das Unterscheidungsmerkmal, für das im Titel kein Platz mehr war — nicht das dritte Synonym für den Produkttyp.
  • Kompatibilität und Passung („für …“, „geeignet für …“): Angaben, nach denen gesucht wird und die eine Retoure verhindern.
  • Eine Einschränkung, wenn sie den Kauf klärt — etwa „nicht spülmaschinengeeignet“. Was eine Rückfrage erspart, spart auch eine Retoure.
  • Nicht hierher: Werbesprache, Superlative und Wiederholungen aus dem Titel. Ein Begriff, der oben schon steht, kostet hier nur Platz.

Für das Beispiel oben wären das 90 der 125 Zeichen: „Für Induktion, Gas, Elektro und Ceran. Ofenfest, spülmaschinenfest, mit abnehmbarem Griff.“ Zwei Sätze, kein einziges Wort doppelt zum Titel.

Wie schnell das Feld in jeder Kategorie und auf jedem Marktplatz verfügbar ist, kann abweichen. Prüfen Sie das an einem eigenen ASIN, bevor Sie den Kürzungsplan für den gesamten Katalog darauf aufbauen.

Migrations-Checkliste

  • Katalog exportieren und nach Titellänge sortieren. Alles über 75 Zeichen ist die Arbeitsliste, alles über 120 Zeichen der dringende Teil.
  • Medienkategorien und die Marktplätze Saudi-Arabien, Ägypten, Türkei und VAE aus der Liste nehmen — dort gilt die Grenze nicht.
  • Nach Umsatz priorisieren, nicht alphabetisch: die umsatzstärksten ASINs zuerst und von Hand.
  • Pro Titel Marke, Produkttyp und ein bis zwei entscheidende Merkmale festlegen. Alles Gestrichene in eine Datei — es ist der Rohstoff für Item Highlights und die Backend-Keywords.
  • Item Highlights füllen, bevor Sie den Titel kürzen. Sonst fehlen die Begriffe für die Zwischenzeit im ganzen Listing.
  • Backend-Keywords aktualisieren: Was aus dem Titel gefallen und nicht in Item Highlights gelandet ist, gehört ins Generic-Keyword-Feld — 500 Bytes, Umlaute und ß zählen zwei.
  • Jeden neuen Titel in der mobilen App gegenlesen, nicht in der Desktop-Vorschau.
  • Notieren, welche Titel Amazon bereits selbst umgeschrieben hat. Diese ASINs prüfen Sie zuerst, denn dort steht bereits fremder Text.
  • Nach zwei bis vier Wochen Klickrate und Conversion der überarbeiteten ASINs gegen die unveränderten halten — und die Titel nachziehen, die verloren haben.

Zwanzig Titel von Hand, zweitausend nicht

Für zwanzig ASINs ist das ein Nachmittag: Titel öffnen, streichen, umbauen, zweimal gegenlesen. Der Aufwand pro Titel bleibt aber gleich, ob Sie zwanzig oder zweitausend haben — und genau da kippt die Rechnung. Ab einer bestimmten Katalogtiefe ist nicht mehr der einzelne Titel das Problem, sondern die Frage, welche zwei Merkmale in einer Kategorie den Klick entscheiden und ob es dafür einen Beleg gibt.

Diesen Teil kann man abgeben. Torch Listings baut Titel und Bullets aus Rezensionen, Wettbewerber-Listings und Nachfragedaten neu auf, belegt jede Aussage mit ihrer Quelle und markiert, was sich nicht verifizieren lässt, statt es zu erfinden — was bei einer Kürzung besonders zählt, weil beim Verdichten am schnellsten etwas behauptet wird, das im Datenblatt nie stand.

Was kein Werkzeug übernimmt: die Entscheidung, welches Merkmal Ihr Produkt tatsächlich trägt — und der Blick auf die Zahlen zwei Wochen später.

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